ADHS & Human Design
Warum dein Kind nicht falsch ist, sondern anders designt
“Da gibt es leider keine sichere Bank…”
sagte der Psychiater zu mir, als ich ihn um einen konkreten Rat bat.
Als ich meine persönliche Human Design Reise startete, habe ich so viel Verständnis für mich selbst und mein Kind bekommen. Ich konnte meine Energie besser nachvollziehen und die meines Kindes. Ich verstehe den Bewegungsdrang meines Kindes, die Motivation und die Schwierigkeiten beim Einschlafen.
Als dann eine ADHS-Diagnose im Raum stand, habe ich den Psychiater gefragt, ob er denn jetzt einen Tipp hätte, wie ich mein Kind besser durch herausfordernde Zeiten begleiten kann. Und er antwortete:
„Da gibt es leider keine sichere Bank, da müssen Sie einfach viel ausprobieren.”
Da musste ich erstmal schlucken und dann vielleicht auch ein bisschen panisch kichern, denn ich kenne keine Mutter, die nicht sowieso schon alles Mögliche ausprobiert und getestet hat.
Die Wartelisten für Ergotherapie und Verhaltenstherapien sind sehr lang, und ich begann mich intensiver mit der Chart meines Kindes auseinanderzusetzen, um dort Antworten zu finden. Und nein, ich glaube nicht, dass Human Design alleine Therapien oder Diagnosen ersetzen kann, ich bin aber der festen Überzeugung, dass Human Design dir mehr Verständnis für dein Kind schenken kann und womöglich auch Antworten geben kann, wo deinem Kind noch die Worte fehlen.
Was ADHS und Hochsensibilität gemeinsam haben
Schon vor der Diagnostik hatte ich alles gelesen, was ich zum Thema ADHS finden konnte. Und immer wieder dachte ich: Das kenne ich doch. Vieles davon hatte ich längst in der Chart meines Kindes gesehen, ganz ohne Diagnose.
ADHS ist eine Neurodivergenz, das bedeutet, dass Bereiche im Gehirn anders vernetzt sind als bei neurotypischen Menschen, auf die unsere Welt ausgerichtet ist. Viele Menschen mit ADHS stoßen in dieser neurotypischen Welt an Grenzen, weil ihr Denken, ihre Impulse und ihr Verhalten einfach anders funktionieren.
Hochsensibilität ist streng genommen keine eigenständige Neurodivergenz, taucht aber sehr häufig zusammen mit ADHS, Autismus, AuDHS, Dyspraxie, LRS und Dyskalkulie auf. Hochsensible Personen nehmen ihre Umwelt und ihre Gedankenwelt besonders intensiv wahr, und in unserer Welt kommt es regelmäßig zu Reizüberflutung, die das komplette Nervensystem auf den Kopf stellt und dazu führen kann, dass Gefühle sich schwer regulieren lassen. Aber auch das kennen viele neurodivergente Menschen gut.
Was mich persönlich bewegt: Unser Schulsystem ist nicht für diese Kinder gemacht. Es wurde für eine andere Zeit entworfen und braucht dringend eine Überarbeitung. Viele neurodivergente Kinder zeigen täglich, wo es nicht mehr passt, und ich glaube, wir täten gut daran, das als Signal zu lesen statt als Problem, das wir in den Kindern lösen müssen. Aber das ist ein anderes Thema, und ich steige hier nicht tiefer ein.
Was Human Design hier leistet und was nicht
Ich schaue als Human Design Familienbegleiterin nicht durch eine Regenbogenbrille ausschließlich auf die Stärken, die eine Neurodivergenz mit sich bringt. Ich blicke auf den Ist-Zustand und ergründe dann mit dem Wissen über die Human Design Chart, wie du oder dein Kind den Alltag gut und in eurer individuellen Energie bewältigen könnt.
Meiner Meinung nach bringt es wenig, eine Neurodivergenz ausschließlich als Superkraft zu sehen, auch wenn wir diese Gegenbewegung zur klinischen, meist negativ formulierten Diagnostik brauchen. Es reicht nicht, uns die Herausforderungen schön zu reden.
Human Design ersetzt keine Diagnostik und ich ersetze keinen Facharzt. Aber ich kann eine Begleiterin sein, und Human Design kann eine Brücke sein zu mehr Verständnis und einem entspannteren Familienalltag.
Marie
Maries Chart
Generatorin mit sakraler Autorität und dem Profil 2/4
Vorab noch etwas Wichtiges: Eine unerkannte ADHS endet häufig in einer Depression, was dazu führt, dass die Depression behandelt wird, die ADHS aber undiagnostiziert bleibt.
Meine Klientin, nennen wir sie Marie, wurde zum Glück mit Anfang 30 diagnostiziert, mit ADHS und Hochsensibilität, sie war zu diesem Zeitpunkt jedoch schon in einer depressiven Episode. Wie so oft waren auch bei ihr die Therapieplätze mit langen Wartelisten besetzt, und sie kam auf mich zu, als sie auf der Suche nach alternativen Methoden war.
Marie ist eine sakrale Generatorin mit dem Profil 2/4. Ihre Frage war, wie sie wieder entspannter in den Tag starten kann, um in ihrer Energie zu sein und nicht permanent gegen sich selbst zu arbeiten.
Als Generatorin gehört Marie zu den Menschen, die theoretisch ganz viel Schaffenskraft besitzen. Dass ein Mensch in einer depressiven Episode weit von dieser Schaffenskraft entfernt ist, muss ich glaube ich nicht ausführen. Also: Wie konnte ich ihr konkret helfen?
Marie hat eine sakrale Autorität. Das bedeutet, ihr Bauchgefühl ist ihr verlässlichster Kompass. Wenn sie auf das Leben reagiert, statt sich durch Entscheidungen zu denken, kommt sie Stück für Stück mehr in ihre Energie. Mein Vorschlag: Sie legt sich abends ein paar Optionen neben das Bett, Dinge, die sie gerne macht, sodass sie morgens direkt auf eines davon reagieren kann und so aus dem Bett in den Tag startet.
Marie braucht außerdem viel Bewegung und Sport. Ihr definiertes Sakralzentrum ist der größte Motor in der Human Design Chart und will ausgelastet werden. Dazu kommt ihr definiertes Wurzelzentrum, das ihr kurzfristig viel Druck und Antrieb schenkt, um für eine Sache loszulegen.
Ihr Profil erzählt noch mehr: Die 2. Linie ist die Tänzerin, jemand der in seinem ganz eigenen Flow durchs Leben geht und auch den Rückzug braucht. Die 4. Linie hingegen liebt ihre Herzensmenschen und lebt auf, wenn sie für sie da sein kann. Marie braucht also immer beides: Zeit mit den Menschen, die ihr wirklich nahestehen, und Zeit ganz mit sich allein.
Dann sind da noch Maries offene Zentren. Sie nimmt wahnsinnig viel aus ihrer Umwelt auf. Ihr offenes Emotionszentrum sorgt dafür, dass sie Gefühle und Stimmungen im Raum aufnimmt und teilweise bis zu dreimal so stark erlebt. Ihr undefiniertes Kronenzentrum saugt mentalen Druck und Inspiration von außen auf. Ihr offenes Ajna stellt sich intensiv auf die Perspektiven anderer ein, und ihr offenes Kehlzentrum nimmt das Unausgesprochene im Raum wahr und findet Worte dafür.
In Gesellschaft ist Marie unglaublich empathisch und präsent. Und gleichzeitig ist ihr Nervensystem so fein eingestellt, dass es schnell zu viel wird. Irgendwann drückt der Körper auf Stopp.
„Die Impulse letzte Woche haben auf jeden Fall geholfen, dass ich wieder am Leben teilnehmen konnte.” - Marie
Mehr braucht es manchmal nicht. Einen Anfang. Einen Impuls. Einen Morgen, der anders startet als der davor.
Drei Fragen, die du dir als Mama stellen kannst
Wenn bei dir oder deinem Kind eine ADHS- oder Hochsensibilitäts-Diagnose im Raum steht, können drei Fragen an die Chart ein guter Anfang sein:
Wie viele Motorzentren sind definiert und brauchen Bewegung, um sich zu regulieren?
Wie viele offene Zentren nehmen Fremdenergien auf, die dann verstärkt erlebt werden?
Was sagt das Profil über die Art und Weise, wie diese Persönlichkeit ihren Weg am besten geht?
Das sind keine Antworten, die alles erklären. Aber sie können ein Anfang sein, dein Kind wirklich zu sehen. Nicht als Problem, sondern als jemanden, der anders designt ist.
Und wenn du dich gerade selbst darin wiedererkennst?
Vielleicht kennst du das Gefühl, das Marie beschrieben hat. Dass du schon alles versucht hast. Dass du weißt, dass mit deinem Kind nichts falsch ist, aber trotzdem nicht weißt, wie du es besser begleiten kannst. Dass du einfach zu müde bist, um noch mehr auszuprobieren.
Human Design gibt dir keinen fertigen Fahrplan. Aber es kann dir zeigen, wie dein Kind wirklich tickt, was es braucht, und wo ihr beide vielleicht gerade gegen eure eigene Natur arbeitet, ohne es zu wissen.
Wenn du neugierig geworden bist, buch dir gerne ein kostenloses Kennenlerngespräch. Wir schauen gemeinsam auf eure Charts und ich erzähle dir, was ich dort für euch sehe.