Ich will doch einfach nur ein Buch lesen
Warum du auch in deinem Urlaub mit Kindern nicht dazu kommst
Hurra, endlich Ferien
Oder doch nicht?
Endlich Urlaub. Ihr habt es geschafft, der Wahnsinn vor den Ferien liegt hinter euch, die Urlaubsplanung auch, und ihr seid an eurem Ziel angekommen.
Die Kinder spielen im Sand, es ist ruhig und du denkst dir:
„Jetzt nehme ich mir endlich das Buch, was schon so lange rum liegt und fange damit an.”
Seit Wochen liegt es auf deinem Nachttisch, mehr als 3 Seiten schaffst du abends nicht, um dann doch wieder zum Handy zu greifen und zu scrollen, ein paar Schuhe für dein Kind zu bestellen oder zu checken, welche Termine anstehen.
Aber es ist scheinbar wie verhext, sobald du dir das Buch in die Hand nimmst kommen dir Kinder und wollen etwas von dir.
Nur 3 Sätze hast du geschafft… Das kann doch nicht wahr sein.
Erst ist da Frust
„Nicht mal eine halbe Stunde Zeit für dich, gönnen sie dir…” Und dann kommt noch dieser Gedanke dazu, der eigentlich viel schwerer wiegt als die drei Sätze: „Ich sollte doch dankbar sein für diese Zeit mit meinen Kindern. Wieso will ich denn überhaupt weg von hier, rein in eine Geschichte, die mit meinem echten Leben nichts zu tun hat?”
Dankbar für das Leben, dass ich habe.
Dankbar für den Urlaub.
Dankbar für die Zeit mit den Kindern, die so schnell vergeht.
Und genau das ist der Moment, in dem die meisten Mütter ihr Buch liegen lassen, weil sich das Bedürfnis nach etwas Eigenem, irgendwie falsch anfühlt.
Oh ja ich kenne diese nagenden, sich einnistenden Gedanken… Die sind fies, aber weißt du was? Das sind Gedanken, die dir eingetrichtert wurden. Über eine Mutterrolle und wie die auszusehen hat. Das Bedürfnis nach Zeit für dich ist nicht selbstsüchtig, und du kannst dankbar sein für dein Leben, und dir gleichzeitig Zeit für dich selbst wünschen. Denn du hast mit dem Muttersein dein ICH nicht pausiert… und wenn doch, dann ist es höchste Zeit, wieder zu dir selbst zu finden.
Keine 3 Tipps
Ich werde häufiger gefragt, wie ich es schaffe als Mama von 3 Kindern so viel zu lesen. Und ich werde dir jetzt keine „3-Tipps für mehr Lesezeit als Mama” geben, oder vielleicht sollte ich das doch?
Bei mir funktioniert das mit dem Lesen übrigens nicht nur im Urlaub, sondern auch im Alltag.
Tipp 1
Mach dich frei von dem Gedanken, dass du Bücher wirklich als Buch lesen musst. Ja ich liebe das auch und ja mittlerweile schaffe ich das auch vermehrt, aber ich habe unterschätzt, wie viel Mehrwert mir die Geschichten geben, und da ist es „egal” und nicht weniger wert, wenn du sie als Hörbuch hörst. Bei mir war das wirklich so ein „Prinzipien-Ding”, ich war stur und habe auf dieses physische Buch bestanden und über meine mangelnde Zeit gemeckert. Das ist nicht förderlich. Also habe ich angefangen, beim Haushalt Hörbücher zu hören. Ihr wisst gar nicht, wie viele Kapitel ich schaffe, wenn ich die Wäsche von 5 Personen von einer Woche zusammenlege…
Tipp 2
Such dir ein Genre, das dir so gut gefallen hat, als du noch nicht Mama warst. Also keine Erziehungsratgeber! Die bringen sowieso nur etwas, wenn du verstanden hast, wie eure Energie-Dynamik funktioniert.
Bei mir war es Romantasy. Ich habe früher ca. 100 Bücher im Jahr gelesen und das waren meist Romantasy-Bücher. Dann bin ich Mama geworden und die Bücher, die ich gekauft habe, waren fast ausschließlich Ratgeber…
Als ich dann angefangen habe über „FairySmut” zu lesen, öffnete sich wieder eine Tür in mir. Für mich waren diese Bücher eine Brücke zurück zu mir selbst und meinen Gefühlen. Denn diese Bücher, diese Tension, dieser Spice lässt mich fühlen, lässt mich wieder ich selbst sein, ohne die Erwartungshaltung an eine Rolle, die ich einnehmen muss.
Es gibt diese eine Szene in „Wolf King” von Sav R. Miller, in der der Protagonist die weibliche Hauptfigur ansieht, wirklich ansieht, als wäre sie der einzige Mensch im Raum, der zählt. Sie merkt in diesem Moment, dass sie sich noch nie zuvor so gesehen gefühlt hat. Genau diese Momente sind es, die mich als Leserin komplett auflösen und gleichzeitig wieder zusammensetzen.
Das Beste daran? Ich will mir Zeit nehmen für diese Bücher! Ich plane mit Pausen ein (was mir als Projektorin immer noch schwer fällt), um zu lesen. Dann ist die Serie abends auch überhaupt nicht mehr interessant und das Handy ist eher ein Störfaktor, als Dopamin-Kick.
Tipp 3
Die Wahrheit ist, deine Kinder unterbrechen dich nicht, weil sie nervig sind oder weil sie genau in dem Moment merken, dass du für dich bist. Sie unterbrechen dich, weil sie dich brauchen, nur eben anders, als du es gelernt hast. Und genau das ist der Punkt, an dem sich für mich alles verändert hat. Nicht mehr Zeitmanagement, sondern verstehen, warum mein Kind gerade jetzt zu mir kommt und was es eigentlich sucht.
Ein Beispiel: Wenn dein MG-Kind dich mitten im Satz unterbricht, braucht es vielleicht einfach einen kleinen Spiel-Impuls, auf den es reagieren kann. Stell ihm geschlossene Fragen, halte eine kleine Auswahl an Möglichkeiten parat, zum Beispiel den Malblock und einen kleinen Ball griffbereit, damit es zwischen Dingen hin und her springen kann. Und du darfst dabei genauso eine Grenze ziehen. Zu verstehen, was mein Kind gerade braucht, heißt nicht, dass ich meinen eigenen Raum aufgeben muss. Ich darf lesen, während mein Kind malt. Beides darf gleichzeitig da sein.
Verstehe, was deine Kinder brauchen, um beschäftigt zu sein. Und damit meine ich jetzt nicht, lies noch einen Ratgeber mit Tipps, sondern verstehe euch in euren individuellen Bedürfnissen. Ich habe dafür einen Ferien-Kompass geschrieben, der dir nicht irgendwelche allgemeinen Ratschläge gibt, sondern die individuellen Bedürfnisse deiner Kinder mit Human Design entschlüsselt, inklusive eines eigenen Kapitels dazu, wie sich das bei AuDHS, ADHS und Hochsensibilität nochmal anders zeigt.
Wenn du also nicht mehr raten willst, warum dein Kind gerade jetzt an deine Grenzen geht, sondern es endlich verstehen willst, findest du den Ferien-Kompass hier.
Benefit: Wenn du als Mama wieder Bücher in die Hand nimmst, dann lebst du deinen Kindern genau das vor. Ich hätte das nie für möglich gehalten, aber sogar meine beiden wirbeligen MG Kinder setzen sich dann zu mir und nehmen sich ein Buch.
Aber ganz ehrlich? Das ist nicht für deine Kinder gedacht. Es ist für dich. Du darfst dir dein Buch nehmen, nicht weil es pädagogisch wertvoll ist, wenn deine Kinder dich lesend sehen, sondern weil du es dir wert bist, wieder bei dir selbst anzukommen. Alles andere ist ein schöner Nebeneffekt.
Welches Buch nimmst du mit in den Urlaub und wie lange wartest du schon auf den perfekten Zeitpunkt, um es zu lesen? Schreib es gerne in die Kommentare.
Deine Wega
Zurück zu dir. Hin zu euch.