Was bleibt in Erinnerung?

Und die Angst davor, dass es die unschönen Momente sein könnten

Woran erinnern sich meine Kinder später?

Gerade Eltern von neurodivergenten Kindern verzweifeln häufig daran, dass liebe Aufforderungen, nette Erinnerungen und der gut organisierte Weg morgens aus dem Haus in reinem Chaos enden.

Mit Engelszungen und klaren Worten erreicht man häufig nicht das, was wir uns erhoffen.

Letztendlich versinkt das eine Kind im Spiel mit seinem Müsli, während man das andere Kind zum Zähneputzen zu animieren versucht.

Der liebevolle Griff an die Schulter, um das Kind auf sich aufmerksam zu machen, wird wüst abgeschüttelt, und man selbst wird angepampt.

Morgens um 07:15, kurz bevor wirklich alle aus dem Haus müssen und schon so viel gut gemeinte Liebe in die Morgen-Routine gesteckt wurde, ist es mehr als herausfordernd, dann angezickt zu werden.

Und ich kenne das, irgendwann ist man wütend, frustriert und einfach nur genervt.

„Warum muss ich mir Mühe geben, wenn mein Kind mich doch sowieso anzickt?!”

Und dann reißt die Hutschnur: 07:28, und es kann nicht sein, dass das Kind keine Schuhe anhat, sich in aller Seelenruhe sein Spielzeug zusammensucht und so gar nicht auf die Dringlichkeit reagiert.

Die anderen Kinder sind schon angezogen und warten, aber Eile scheint ein Fremdwort zu sein.

„Ich wünschte, du würdest mal den Bus verpassen, damit du checkst, dass dein Zeitmanagement nicht funktioniert”, sprudelt es aus mir hervor. „Du hast immer noch keine Schuhe an, wie kann das sein?”

Und was passiert dann? Das Kind bekommt natürlich in dem Moment Stress, fängt an zu weinen und besteht dann ausdrücklich auf die Schnürschuhe, die am längsten zum Anziehen brauchen.

„Wie kann man nur so stur sein, es sind über 30 Grad, zieh dir doch einfach die Sandalen an.”

Aber das Kind zieht selbstverständlich nicht die Sandalen an…

Ich helfe dem Kind in die Schuhe, blubbere vor mich hin: „Scheiß Spielzeug-Tag”, „Deine Spielzeuge dürfen nicht wichtiger sein als deine Uhr und deine Schuhe…”

Und während das Kind kurz vor dem Schluchzen ist und ich mir denke „Na toll, jetzt muss ich trösten”, und im Hinterkopf läuft die Uhr weiter. Also nehme ich das Kind in den Arm, sage ihm, dass ich es liebe, und schiebe es aus der Tür. Der Bus fährt gleich, die Zeit wird knapp.

Und sobald die Tür ins Schloss fällt, könnte ich innerlich zusammenbrechen und heulen. Ich wollte doch ruhig bleiben, es ist meine Verantwortung… aber ich habe nicht nur ein Kind, sondern drei. Alle müssen aus dem Haus, alle brauchen mehr oder weniger Unterstützung. Rational weiß ich das. Und ich weiß auch, dass meine Reaktion menschlich war.

Und trotzdem zerfrisst es mich, dieses Gefühl von:

„Was bleibt bei ihm hängen?“

Natürlich ist es mein Ego, ich möchte eine gute Mutter sein, ich möchte es besser machen als meine Eltern.

Aber ich habe zu einem großen Teil meiner Familie den Kontakt abgebrochen, weil es für mich nicht mehr tragbar war. Ich weiß heute, dass vieles davon menschlich war und aus Sorge kam. Trotzdem kam es bei mir als Kind anders an, ich habe mich schuldig, klein und missverstanden gefühlt. Und diese Angst vor dem, was bei meinem Kind hängen bleibt, entspringt genau dieser eigenen Geschichte.

Klare Ansagen und Human Design

Viele Kinder mit ADHS und AuDHS kommen gut mit klaren Ansagen zurecht. Aber es gibt diese Kinder, die du genau in den vier Minuten erwischt, in denen sie besonders aufmerksam und sensibel sind. Und plötzlich ist dein Kind, welches sonst mit dem Kopf in den Wolken hängt, sehr präsent und schaut dich an, als höre es dich zum ersten Mal heute, und das ohne Freundlichkeit in deiner Stimme und womöglich mehr als gefrustet.

Und genau da habe ich angefangen, mich zu fragen: Ist es wirklich mein Ton, meine Erziehung, mein „zu wenig” oder „zu viel”? Oder tickt mein Kind einfach nach einer anderen Uhr als ich?

Human Design hat mir keine Abkürzung durch den Morgen gegeben. Keinen Trick, mit dem die Schuhe schneller angezogen werden. Aber es hat mir gezeigt, dass mein Kind kein kaputtes Zeitmanagement hat, sondern ein eigenes.

Mein Kind ist ein Manifestierender Generator mit dem Profil 1/3 und der emotionalen Autorität, was für den Alltag bedeutet:

  • Er hat mindestens sechs Projekte gleichzeitig im Kopf

  • Er muss „nur noch schnell das eine Teil zu Ende bauen”

  • Er ist sehr empfänglich für Ideen

  • Er lernt nur durch Erleben und nicht durch Erklären

  • Er testet alles aus, ganz besonders Grenzen…

  • Er will Gefühle leben und kann uns in seinen Strudel der Emotionen mitziehen

  • Wenn er nicht entscheiden kann, wird aus dem Eichhörnchen-Modus ganz schnell ein Schnecken-Modus

  • Er ist unglaublich charmant und witzig

Übertragen wir dieses Wissen jetzt auf den Morgen, bedeutet das:

Ich schaffe als Mutter einen Ablauf mit so wenig Übergängen wie nur möglich, und ja, das heißt auch, dass wir nur einmal ins Bad gehen und dort alles erledigen: Anziehen, Toilette, Zähneputzen und Waschen.

Ich versuche, die äußeren Reize zu minimieren, damit er gar nicht erst darauf reagieren kann. Also bleibt die Kinderzimmertür geschlossen, und er darf kein Spielzeug mit an den Tisch oder ins Bad nehmen. Es stehen keine Müsli-Packungen auf dem Tisch (damit gar keine Fragen aufkommen können bzgl. irgendwelcher Werbebilder oder etwaiger Inhaltsstoffe). Ich schicke ihn auf den Balkon, um zu fühlen (erleben), wie kalt oder warm es draußen ist, weil er mir eh nicht glaubt, wenn ich nur sage, dass er eine Jacke braucht, oder Sandalen…

Und weil ADHS-Gehirne anders funktionieren als neurotypische Gehirne, kann er auf ein Ziel hinarbeiten, wenn die Morgen-Routine eine gewisse Zeit lang gut funktioniert.

Eigenverantwortung

Ich auf der anderen Seite kann mich aus der Morgen-Routine nicht entziehen, denn auch ich trage Anteile daran, wie es morgens abläuft.

Als HSP und Mutter von drei Kindern brauche ich morgens erstmal einen Moment für mich. Ich versuche also, vorher aufzustehen, ein Glas Wasser zu trinken, Kaffee zu kochen und mich anzuziehen, bevor die Kinder dazukommen.

Denn wenn ich nicht selbst für mich sorge, ist meine Geduld morgens nicht so, wie ich sie gerne hätte, und ich verliere mich dann im Morgengetümmel und fühle mich wie ein Spatz, der hektisch hin und her flattert, um alles zusammenzuhalten.

Das ist MEIN Anteil, und den darf ich erkennen und annehmen.

Welchen Anteil nimmst du an?

Deine Wega

Zurück zu dir. Hin zu euch.

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Ich will doch einfach nur ein Buch lesen