“Alles nur ein Übergang”
Über das Jahreskreisfest “Imbolc” und die Erinnerung daran, dass das Leben im Alltag stattfindet
“The seeds are stirring. May new dreams grow.
The light soon returning, will passion ignite and glow.”
Warum jetzt eigentlich Imbolc?
Ich liebe es, mich an der Natur auszurichten. Für mich ist sie der Inbegriff von Entschleunigung. Ein leiser Kompass, der mich immer wieder daran erinnert, dass alles seine Zeit hat. Und trotzdem kann sich auch für mich der Winter, und vor allem der Januar, oft sehr lang anfühlen. Auch wenn er dieses Jahr durch den Schnee unbeschreiblich schön war. Vielleicht geht es dir ähnlich. Das Grau hängt dir zum Hals raus, ständig ist mindestens ein Kind krank, und eigentlich hattest du gerade ein kleines bisschen Motivation, mit etwas Neuem zu starten. Und dann wirst du schon wieder ausgebremst.
Wenn du dich so fühlst, dann ist die Zeit von Imbolc für dich vielleicht genauso ein Lichtblick wie für mich.
Ich habe Imbolc dieses Jahr zum ersten Mal bewusst zelebriert. Mich mit dem Fest auseinandergesetzt und mit dem, was dahintersteht. Mit diesem Lichtstreif, der langsam heller wird. Mit dem Schneevollmond, der sogar die Nacht erhellt. Mit diesem Gipfel zwischen der Wintersonnenwende und der Frühlings-Tagundnachtgleiche. Für mich fühlt es sich an wie ein leises Strecken aus dem Winterschlaf. Ein vorsichtiger Ausblick auf den Frühling, mit diesem sanften Herzklopfen, das man hat, wenn erste Gefühle wieder intensiver werden.
Jeder kleine Spatz, der durch den Schnee hüpft. Jedes Eichhörnchen, das sich eine Nuss holt. Jedes Schneeglöckchen, das seine Blüten aus dem Schnee streckt. All das lässt mein Herz höher schlagen.
Nicht, weil schon Frühling ist. Sondern weil sich etwas bewegt.
Was ist Imbolc eigentlich?
Imbolc fällt meist auf den 1. oder 2. Februar, je nachdem wann der Schneevollmond stattfindet. Es ist ein Lichtfest und liegt genau zwischen der Wintersonnenwende (Yule) und der Frühlings-Tagundnachtgleiche (Ostara). Man könnte sagen, es ist ein Bergfest. Der Punkt zwischen dem langen Winter mit seiner Dunkelheit und dem kommenden Frühling mit seinem Licht.
Imbolc ist ein Fest der Reinigung und ein Fest des verborgenen Neuen. Ursprünglich feierten die Menschen das Leben, das in den Bäuchen der Schafe und Ziegen heranwächst. Die Tiere geben wieder Milch, und nach der langen Entbehrung war das ein echtes Geschenk. “Imbolc” bedeutet auch “im Bauch”. Es steht für das Leben, das Wachstum und die Erneuerung.
Später wurde Imbolc von den Christen adaptiert und geriet fast in Vergessenheit. Dabei markiert es im Jahreskreis einen unglaublich wichtigen Moment.
Nicht das Ziel, sondern den Übergang.
Die Magie des Dazwischen
„Alles bloß ein Übergang.“
An dieses Zitat, das meine Oma oft sagte, musste ich denken, als ich mich mit Imbolc beschäftigt habe.
Viele Mamas hören von außen oft: „Es wird leichter.“ Und ja, das stimmt auch. Aber es ändert wenig an der Lebensrealität und den Herausforderungen, denen wir uns im Alltag stellen.
Imbolc ist ein Symbol des Übergangs. Und Übergänge haben wir im Leben ständig. Nur haben wir verlernt, sie zu feiern. Wir wollen lieber ans Ziel kommen. Etwas überwinden, überstehen, hinter uns bringen.
Weil es anstrengend ist. Weil Übergänge unbequem sind. Weil sie uns fordern.
Und dabei liegt genau dort die größte Magie.
Als Kind bin ich mit dem Zitat meiner Oma eher in negative Resonanz gegangen. Dieses „nur“ hatte für mich etwas Schweres, fast Trauriges. So, als wäre das Leben etwas, durch das man sich halt irgendwie durchkämpfen muss. Heute liebe ich dieses Zitat. Weil es mich daran erinnert, dass das Leben in den Übergängen stattfindet, nicht in einzelnen Etappen.
Wenn wir Mama werden, ist da die Schwangerschaft. Oft anstrengend, emotional und herausfordernd. Und wir hören:
„Das ist ja nur eine Phase, dann hältst du dein Baby in den Armen.“
Dann kommt die Geburt. Ein riesiges, weltbewegendes Ereignis und plötzlich vermissen wir die Schwangerschaft. Wir vermissen das Gefühl, Leben in uns zu tragen und die zarten Bewegungen unter unserem Herzen. Manche sagen dann:
„Ich hätte es mehr genießen sollen.“
Und genau das ist der Punkt. Natürlich ist die Geburt ein Meilenstein, aber wonach wir uns zurücksehnen, ist dieser Übergang. Diese Zeit dazwischen, die uns viel länger begleitet hat als dieser eine Moment.
Und so geht es weiter. Wir feiern die ersten Schritte, den ersten Geburtstag, den ersten Kindergartentag, die Einschulung. Aber es sind nicht die Meilensteine, die uns verändern. Es sind die Übergänge. Die uns formen, fordern und über unsere Grenzen bringen.
Imbolc feiert genau das.
Wir sind nicht mehr im Winter.
Aber auch noch nicht im Frühling.
Imbolc ist der Liminal Space. Der heilige Zwischenraum.
Imbolc & hochsensible Mamas und warum dieses Fest uns besonders dient
Hochsensible Menschen nehmen innere und äußere Zyklen besonders fein wahr. Stimmungen, Energien und Übergänge sind für uns kein Hokuspokus, sondern etwas was unser System tatsächlich beeinflusst. Und wenn du zusätzlich neurodivergente Kinder begleitest, lebst du ohnehin in einem Alltag ständiger Anpassung.
Imbolc kann für dich eine Erlaubnis sein.
Noch nicht funktionieren zu müssen, aber schon wieder hoffen zu dürfen. Kleine Schritte zu gehen, statt dich von großen Neujahreszielen stressen zu lassen.
Imbolc ist kein „Jetzt reiß dich zusammen“.
Es ist ein „Du darfst dich langsam erinnern, wer du bist“.
Brigid & die innere Flamme
Imbolc ist eng verbunden mit der keltischen Göttin Brigid. Ihr Name bedeutet “die Helle”, “die Strahlende” oder auch “die Flammende”. Sie steht für Feuer, Kreativität, Heilung und Schutz. Für das Herdfeuer, die Kerze und das innere Licht.
Brigid erinnert uns an diese leise Flamme in uns. Die nicht laut brennt oder spektakulär ist, aber zuverlässig, wärmend und lebendig.
Für mich ist Brigid die Mama-Energie, die sich selbst und ihr strahlen nicht vergisst.
Mantras für Imbolc
Diese Mantras sind für die Mama, die gerade nichts „leisten“ kann, aber trotzdem wachsen darf.
Ich pflege den stillen Funken in mir und lasse ihn jeden Tag stärker werden.
Ich nehme das Versprechen neuen Lebens an, sowohl in der Erde als auch in mir selbst.
Ich ehre die Zyklen des Landes und vertraue dem Rhythmus von Wachstum und Ruhe.
Ich begrüße Brigids Flamme als Symbol der Kreativität und Erneuerung.
Ich öffne mein Herz für die kleinen Anzeichen des Wachstums.
Ich pflege die Saat des Wandels mit Sorgfalt und Bewusstsein.
Vielleicht geht es diesen februar nicht darum zu funktionieren, oder produktiver zu sein.
Vielleicht ist dein einziges Ziel, deine eigene innere Schneeglöckchenbewegung nicht zu übersehen.
Dieses leise Strecken.
Dieses kaum sichtbare Erwachen.
Dieses zarte „Da ist wieder etwas in mir, das leben will.“