Unsere wilden Jungs in einer engen Welt (2. Teil)

Sensible Mütter zwischen Lautstärke, Überforderung & Haltung

Feministin und Jungsmama?

Über Prüfsteine und gelebte Gleichzeitigkeit

Nachdem ich verstanden habe, dassweder meine Jungs noch ich das Problem sind, blieb eine viel größere Frage offen:

Welche Haltung trage ich eigentlich als Mutter von Jungs in dieser Welt?

Nicht theoretisch, nicht politisch sauber formuliert, sondern ganz konkret im Alltag. In den Momenten, in denen es laut wird, in denen Grenzen verhandelt werden und in denen Kraft, Gefühl und Wut gleichzeitig im Raum stehen. Genau hier trifft mein Feminismus auf meine Mutterschaft, nicht als Widerspruch, sondern als Prüfstein.

Feministin und Jungsmama sein

Ich habe lange darüber nachgedacht, wie ich Feminismus als Jungsmama auslebe, wie ich:

Männer ins Leben begleite, die es besser machen.
Männer die sich nicht scheuen zu fühlen,
Männer die helfen und ihr Geschlecht nicht als Recht empfinden, um sich über andere zu erheben,
Männer die lieben,
Männer die nicht irgendwelchen verkorksten Idealen von Männlichkeit nachjagen.

Ich steckte sie also nicht auf krampf in blaue Klamotten, kaufte ihnen eine Barbie als sie es wollten, ja sie durften auch im Kleid zum Kindergarten gehen und dennoch was das erste Wort: Auto.

Ich dachte lange, dass dieses indoktrinierte Bild von Männlichkeit ausschließlich anerzogen sei, aber ich wurde eines besseren belehrt. Meine Jungs sind wild, probieren sich aus, wollen auch mal Nagellack tragen, finden die Farbkombie Pink & Schwarz ziemlich cool und trotzdem sind es „typische“ Jungs.

Es gibt keinen Kampf den sie auslassen, Waffen sind unheimlich spannend, Fußball ist mega cool und Autos sind in unserer Wohnung in jeder Ecke vorzufinden. Lego Ninjas finde ich in meiner Handtasche, wir wissen ganz genau wer Luke Skywalkers Vater ist und kennen den Unterschied zwischen Brontosaurus und Bracchiosaurus.

Meine Jungs haben mir gezeigt, dass ich keine Angst vor intensiver Energie haben muss, dass ich sie nicht klein halten muss, sondern dass wir gemeinsam lernen dürfen ein Bewusstsein für sich und andere zu entwickeln.

Dass sie Verantwortung für sich selbst und ihre Taten übernehmen und in Beziehung gehen, statt auf das Recht des Stärken bestehen.

Warum gibt es sie also immer noch?
Diese Angst die Jungs zu „verweichlichen“?

Abgesehen von der tief verankerten Homophobie in unserer Gesellschaft, von der Angst, der eigene Sohn könnte „anders“ sein und dafür einen Preis zahlen müssen.
Abgesehen von der realen Sorge, dass Kinder gemobbt werden, ausgegrenzt oder angegriffen, weil sie nicht ins Raster passen.
Abgesehen davon, dass wir in einer Zeit leben, in der alte Sicherheiten wegbrechen…

Gibt es da diesen leeren Raum.

Dieser leere Raum macht uns als Eltern orientierungslos. Wir wissen nicht, was auf uns und unsere Kinder zukommt. Wie müssen wir unsere Kinder aufstellen und vorbereiten, wohin soll’s gehen? Ich glaube dieser leere Raum macht vielen Menschen Angst, sowohl Jungs, als auch Mädchen sollen irgendwie vorbereitet sein, sie sollen stark sein und sich behaupten können.

Klimawandel. Krieg. Polarisierung. Zukunftsangst.

Also wollen wir unser Kinder „stark“ machen, sie sollen belastbar sein, sich durchsetzen können und irgendwie auch unangreifbar werden. Und wenn wir dann einen Sohn haben, der viel fühlt.
Der weint, ohne sich dafür zu schämen.
Der zarter ist als andere Jungs.
Der lieber beobachtet, statt zu kämpfen.
Der Angst hat, auf einen Baum zu klettern.

Dann geraten viele Eltern an ihre Grenzen. Nicht, weil dieses Kind falsch ist, sondern weil wir es nicht halten können. Weil wir keine inneren Bilder haben, wie ein solcher Junge sicher erwachsen werden kann.

Und genau hier verläuft dieser schmale Grat:

Zwischen Härte und Halt.
Zwischen Freiheit und Führung.
Zwischen „Ich lasse dich so, wie du bist“ und „Ich lasse dich nicht allein“.

Die eigentliche Frage ist nicht, ob wir Jungs verweichlichen. Die eigentliche Frage ist:

Wie begleiten wir Jungs, ohne sie zu brechen und ohne sie sich selbst zu überlassen?

Diese Frage auszuhalten, ist vielleicht eine der feministischen Aufgaben unserer Zeit.

Human Design als Verständnisglocke

Human Design ist für mich kein System, um Kinder einzuordnen oder sie passend zu machen. Es ist keine neue Schublade, kein Etikett, kein „So bist du halt“. Es ist eine Landkarte. Und manchmal ist eine Landkarte alles, was wir brauchen, um uns nicht mehr ständig zu verlaufen.

Gerade in Familien mit sensiblen Mamas und intensiven Kindern fehlt oft die gemeinsame Sprache.

Wir reden aneinander vorbei.
Wir reagieren, statt zu verstehen.
Wir regulieren Verhalten, ohne das Bedürfnis dahinter zu sehen.

Nicht aus mangelnder Liebe, sondern aus fehlendem Verständnis

Human Design hilft mir, Unterschiede sichtbar zu machen. Denn ich dachte, ich müsse für meine Kinder die Mutter sein, die ich als Kind gebraucht hätte. Aber meine Kinder sind nicht wie ich, meine Kinder brauchen was anderes als ich, und ohne das Wissen über ihr Human Design, ist das in Verbindung gehen, mit viel ausprobieren und Rätsel raten verknüpft.

In Familien treffen Unterschiedlichkeiten zusammen und wollen gemeinsam agieren.

Unterschiedliche Energien.
Unterschiedliche Arten, die Welt zu verarbeiten.
Unterschiedliche Bedürfnisse von Rückzug, Bewegung, Ausdruck und Regulation.

Manche Kinder brauchen Reibung, um sich zu spüren, andere brauchen Ruhe, um nicht zu kippen.
Manche explodieren nach außen, andere ziehen sich nach innen zurück.

Wenn ich verstehe, wie mein Kind „gebaut“ ist, verändert sich mein Blick. Und wenn sich mein Blick verändert, verändert sich meine Haltung.

Und Haltung verändert Beziehung.
Verstehen verändert Beziehung.
Beziehung verändert Verhalten.

Nicht sofort. Nicht magisch. Aber nachhaltig.

Und oft passiert etwas ganz Entscheidendes: Die Schuld verschwindet Stück für Stück, aus dem Kind, aus deinem System und aus eurer Familie. Es entsteht ein Raum, der vielleicht sogar die ungewisse “Leere” füllen könnte. Ein Raum, der nicht nach Kontrolle verlangt, nicht nach noch mehr Regeln, Bewertungen oder Optimierung. Sondern ein Raum für Familien, in denen Verständnis gelebt wird und deutlich weniger Urteil von außen und innen.

Wir als Mamas, dürfen unsere eigenen Ideale prüfen, nicht um sie über Bord zu werfen, sondern um sie alltagstauglich zu machen.
Wir dürfen unser Nervensystem ernst nehmen, statt es zu übergehen.
Wir dürfen anfangen unsere eigenen Grenzen zu wahren und zu achten.
Denn so lernen unsere Kinder Rücksicht und Achtung.

Wir müssen unsere Jungs nicht reparieren, weil sie “noch” garnicht kaputt sind. Sie sind nicht zu viel, sie sind nicht falsch, sie sind in einer Welt gelandet, die wenig Platz lässt für Lautstärke, für Gefühle und für Ambivalenz

Und wir Mamas stehen oft genau dazwischen.

Zwischen Anspruch und Erschöpfung.
Zwischen Haltung und Überforderung.
Zwischen Feminismus und Alltag mit drei Jungs, die sich gerade mit Lichtschwertern durchs Wohnzimmer jagen.

Vielleicht geht es am Ende gar nicht darum, unsere Jungs leiser zu machen, sondern darum unsere Welt weiter zu machen.

Weiter im Denken. Weiter im Fühlen. Weiter im Halten. Weiter für alle.
Damit jeder seinen Platz einnehmen kann, der ursprünglich angedacht war.

Nicht von uns, nicht von der Politik, sondern vom Universum.

Ich will eine Welt, in der Jungs fühlen und denken. Eine Welt in der emotionale Intelligenz höher bewertet wird, als patriarchale Ideale.

Deine Wega

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